Archiv für September 2011

Der Ferrero-Check

Warum sind die süßen Produkte dieser Marke so weit verbreitet in unseren Supermärkten? Warum werden diese Produkte so viel gekauft? Und wie sind eigentlich die Produktionsbedingungen? Dieser und weiteren Fragen ist die knapp 44-minütige Dokumentation der Reihe Markencheck vom WDR vom 8.8.2011 auf den Grund gegangen, wir haben sie letzte Woche gesehen und diskutiert.

Wie kommt es, dass Ferrero mit einer so breiten Palette von süßen Produkten bei uns so beliebt ist? Zum einen wurde die besondere Rezeptur von z.B. Nutella hervorgehoben, denn das Produkt wurde im Blindversuch von Testern immer wieder neben anderen Nuss-Nougat-Cremes identifiziert, selbst als einmal der falsche Name daraufstand. Der weitaus größere Faktor scheint aber die Werbung zu sein. Über sechs mal mehr Geld gibt Ferrero für Werbung aus als die direkten Konkurrenten Mars oder Storck. Immer wieder werden bekannte Gesichter aus Sport und Fernsehen mit den Produkten gezeigt, ob nun die Box-Geschwister Klitschko, Steffi Graf, diverse Models und natürlich die deutsche Fussballnationalmannschaft. Immer mit der Botfschaft für den Kunden, besonders Kinder, dass sie über das Produkt mit ihren Idolen auf Augenhöhe sein können. Auf Augenhöhe für Kinder sind auch besonders viele Ferrero-Süßigkeiten in den Supermärkten angeordnet. Das ist die sogenannte „Quengelware“ mit der Kinder wie Eltern manipuliert werden und dabei noch glauben sollen sich etwas Gutes zu tun. Wenn in der Werbung von der Extraportion Milch gesprochen wird, assoziieren das die meisten Menschen mit gesund. Wer aber mal wirklich auf die Verpackung sich die Zutaten durchsieht, wird schnell feststellen, dass sehr viel mehr Fett und Zucker in den Riegeln enthalten sind, sodass die Milch zu einem verschwindend geringen Anteil wird.

Erwachsene werden eher mit der Täuschung über die Leichtigkeit eines Schokoriegels zum Kauf bewegt. Ein Test auf der Straße zeigte, wie viele Schokoriegel ungefähr den Kaloriengehalt eines Sahnekuchens enthalten. Die befragten Menschen überschätzten die Zahl der Riegel meist 3-5 fach. Die tatsächliche Zahl war zwei und ein halber.

Woher kamen nun die meisten Zutaten die bei Ferrero genutzt werden? Und welche Rolle spielt der Konzern bei den Preisen? In der Dokumentation wurde die Spur der angeblichen Piemont-Kirsche, der Haselnüsse und des Kakaos verfolgt. Die Kirschen stammen tatsächlich zumeist aus Polen, die Haselnüsse aus der Türkei und der Kakao von der Elfenbeinküste. Bei den Haselnüssen gibt es hier eine Besonderheit, denn da ist Ferrero der weltgrößte Abnehmer und hat somit auch eine besondere Macht bei der Preisgestaltung. Die ist so knapp gehalten, dass in der Türkei hauptsächlich armenische Gastarbeiter mit ihren Familien in der Ernte arbeiten. Somit ist Kinderarbeit inklusive, von morgens 6 bis abends 6, in einer Zeltstadt lebend ohne fließend Wasser oder Strom. Es kamen einige Händler und Fabrikleiter zu Wort, die sich ausgenommen fühlen und keine fairen Preise für ihre Haselnüsse erzielen können.
Beim Kakao macht Ferrero keine Ausnahme, sie kontrollieren auch nicht ihre Zulieferer über die Einhaltung der internationalen Abmachung zum Verbot von Kinderarbeit auf Kakaoplantagen wie ihre meisten Konkurrenten. Mehrfach wurde schon gezeigt, dass auch aktuell an der Elfenbeinküste Kinderarbeit weit verbreitet ist z.B. in der Doku „Schmutzige Schokolade“.

Das Fazit der Dokumentation war also, dass bei Ferrero die Produkte schon einzigartig sind, und dass die Verführung aber auch die Irreführung besonders groß ist. Zudem sind die Produktionsbedingungen hinsichtlich Fairness unzureichend, und somit für uns auch völlig inakzeptabel.

Wer möchte, kann die Doku hier noch einmal nachschauen.