KGL zur Weltpremiere von „Made in China“

Im Rahmen des DOK-Festivals wurde in Leipzig am 20.10.11 zum ersten Mal der Dokumentarfilm „Made in China“ in der Kategorie „Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm“ vor Publikum präsentiert. Der 128 minütige Film aus chinesischer Produktion in Originalsprache mit englischen Untertiteln zeigt den Alltag in einer Textilfabrik in Humen, Südchina.

Über das Jahr wechseln die Arbeiter ständig und so folgt der Film nicht dem Leben von einzelnen Menschen, so dass eher die Fabrik selbst zum Protagonisten wird. Schließlich spielt sich auch das komplette Leben der Arbeiter in den Räumen der Fabrik ab, sie essen und schlafen in gemeinschaftlich genutzten und provisorisch eingerichteten Zimmern. Der Zuschauer bekommt aus nächster Nähe mit, welchem Stress die Arbeiter ausgesetzt sind, wie heiß es in den meisten Monaten des Jahres ist, wie die knappe Freizeit vor dem Fernseher oder mit persönlichen Krisen verbracht wird. Jeder Arbeiter hat seinen eigenen Ventilator und natürlich ein Telefon, aber das Leben in den spärlich eingerichteten Räumen wirkt chaotisch und wenig selbstbestimmt. „Wie sollen wir für das Geld noch mehr arbeiten, wir hatten nur 2 Abende im letzten Monat frei,“ sagt ein Familienvater, der mit Frau und Tochter in der Fabrik arbeitet. Nur der älteste Sohn kann aufs College gehen, die 3 arbeiten, um ihm das Studium zu finanzieren. Wer sich über nicht ausgezahlten Lohn oder Überstunden beschwert, dem wird gekündigt, auch wenn die Fabrik in manchen Zeiten mit der Erfüllung von Aufträgen nicht hinterher kommt. Den Fabrikleiter sieht man meistens rauchend, seltener tut er noch etwas dabei, wie Geld auszahlen oder telefonieren. Er spricht über sich als jemanden, der hohes Ansehen hatte, weil er die Arbeiter gut behandeln würde. Aber über die Jahre hätten andere Fabrikleiter, die weniger nett sind, mehr Erfolg gehabt. Er müsse deshalb auch strenger sein, es ginge schließlich auch ihm nur um das Überleben (inklusive der 2 Packungen Zigaretten am Tag). Sehr oft müsse er Entscheidungen treffen, die gegen sein Gewissen sprechen.
Erst zur Neujahrsfeier gibt es ein paar Einblicke in das weite grüne Land, denn dann erst konnten die Arbeiter für einige Tage die Fabrik verlassen, um ihre Familien zu besuchen. Dazu wurde ihnen von der Fabrik sogar auch ein Bus zur Verfügung gestellt.

Nach der Vorstellung stellte sich die Regisseurin Jian Du noch den Fragen des Publikums. Warum sie diesen Film gemacht hätte? Sie wollte zeigen, dass es nicht nur die Arbeit gibt und was daraus wird, sondern dass dahinter Menschen stehen. Mit der Nähe des Films zu den Arbeitern wird uns eine Idee vermittelt, wie das Leben dort sich anfühlt. Auf die Frage, ob der Film auch in China in der Fassung gezeigt wird und was das mit den Zuschauern machen würde, meinte sie, dass der Film bereits angenommen wurde und nicht zensiert wird. Viele Chinesen würden nicht wissen, wie das Leben sich in anderen Regionen des Landes abspielt, so dass diese Nahaufnahme des Fabrikalltags auch für sie etwas Neues sein wird, was hoffentlich ihr Bewusstsein für den Wert von Kleidung und Arbeit im Allgemeinen ändert.

Wer sich darauf einlassen möchte, kann mit dem Film in einen für uns häufig befremdlichen Alltag eintauchen. Denn hier bekommen die Menschen Gesichter und Würde zurück, die in den Dumpingpreisen für unsere Kleidung nicht enthalten ist.