Archiv für Juni 2012

Das Prinzip Nachhaltigkeit

Am 7. Juni sprachen Prof. Dr. Felix Ekardt und Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal zum Thema Nachhaltigkeit, eingeladen vom BUND Leipzig ins Café des Haus der Demokratie im Rahmen der Leipziger Umwelttage.

Überraschend kurz aber inhaltlich umfassend stellte zunächst Prof. Ekardt seine Thesen zur Theorie der Nachhaltigkeit dar. Dazu gehörte, dass jeder Einzelne von uns trotz besseren Wissens es kaum schaffen würde in allen Belangen nachhaltig zu leben. Wir sparen an vielen Stellen Strom, Wasser und Müll ein, aber nutzen gleichzeitig mehr Wohnraum oder unternehmen ferne Urlaubsreisen mit dem Flugzeug. Die Gewohnheiten aus der uns prägenden Umgebung, sowie die Angst auf Verzicht lassen uns beispielsweise immer wieder Auto statt Fahrrad fahren oder häufiger Fleisch konsumieren. Doch was ist tatsächlich ein Verzicht für uns? Mit einer weiteren These unterstrich Prof. Ekardt unsere Chancen auf ein nachhaltiges Leben, wenn nicht nur jeder Einzelne von uns vermehrt das Glück und Wohlergehen aller Menschen zum Ziel hätte. Auch politisch sei ein Umdenken notwendig, wenn Zielkonflikte wie die CO2-Reduzierung um mindestens 90% in Deutschland bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum aufgelöst werden sollen. An dieser Stelle machte Prof. Ekardt deutlich, dass in Deutschland die meisten Emissionseinsparungen bisher durch Verlagerungseffekte, also die Auslagerung der Industrie zum Beispiel nach Asien gewonnen werden.

Den wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber vertrat Heiko Rosenthal die kommunalpolitische Perspektive in Leipzig. Mit der Initiative „Leipzig weiter denken“ sollen im Bürgerdialog vier Themenblöcke für eine nachhaltige Stadtentwicklung inhaltlich erarbeitet werden: „Leben und Wohnen aller Generationen“, „Neue Energie für alte Häuser“, „Nachhaltige Stadtfinanzen“ und „Mobilität der Zukunft“. (Beteiligung in der Zukunftsreihe unter http://www.leipzig.de/weiterdenken/beteiligen/in-zukunfstreihe-und-werkstaetten/) Zudem sah Heiko Rosenthal die Vernetzung von der EU bis zur Kommunalebene als notwendig an, um Richtlinien der nachhaltigen Entwicklung mit sinnvollen Indikatoren zu entwickeln und umzusetzen. Nur so könnte man mit Interessenskonflikten umgehen wie beispielsweise bei der Umsetzung der Umweltzone in Zusammenhang mit der Luftreinhaltungsrichtlinie.

Mehr Zeit als für die Vorträge war danach für die Diskussion vorhanden. Hier nur einige Stichpunkte, Fakten und Fragen:

  • Prof. Ekardt: Trotz Einhaltung aller aufgestellten Richtlinien für nachhaltige Entwicklung in Leipzig, kann das Ergebnis eine nicht nachhaltige Stadt sein.
  • Bsp. Verbesserte Wärmedämmung von Häusern in Leipzig über die letzten 20 Jahre sollte die Energieeffizienz steigern, aber bei gestiegenem Wohnraum pro Person wird genauso viel oder sogar mehr Energie verbraucht.
  • Wie kann Nachhaltigkeit im Alltag sichtbar werden? Wenn ich nun mit Auto oder Fahrrad die nächsten 10km fahre, ist die Klimabilanz nicht immer gleich im Geldbeutel zu spüren.
  • Bildung findet nicht nur „im Kopf“ sondern auch emotional statt. Beispiel Solargenossenschaft: Menschen sind motiviert einen Baum lange zu pflegen, den sie gepflanzt haben. Wie kann diese Motivation für nachhaltige Wohnkonzepte genutzt werden? Wie können als Genossenschaft organsierte Initiativen sinnvoll mit der Stadt zusammenarbeiten?
  • Idee zur Mobilitätseffizienz: Mehr Straßenbahnen bei Regen?
  • Statt Ökodiktatur ist eine öffentliche Diskussion notwendig: Glück nur für mich oder Glück für alle? Diskussion als Ping-pong-Spiel statt Teufelskreis.
  • Zielkonflikte bei der Stadtverwaltung: Für die wirtschaftliche Entwicklung „musste“ der Standort Leipzig attraktiv sein. Also, dicker Dienstwagen oder Stadtradeln?
  • Institut für Nachhaltigkeit und Klimapolitik: www.sustainability-justice-climate.eu
    Leipzig weiter denken: www.leipzig.de/weiterdenken
    Weitere Veranstaltungen der Umwelttage: www.oekoloewe.de/termine.html

    4. Juni, Tag der Nachhaltigkeit

    Am deutschen Aktionstag für Nachhaltigkeit finden im ganzen Bundesgebiet Projekte zum Thema Nachhaltigkeit statt. Der Rat für nachhaltige Entwicklung lud dazu Städte, Vereine und Stiftungen ein ihre Angebot zu bündeln, um gemeinsam Aufmerksamkeit für die Vorbereitungen zur Konferenz Rio+20 zu bündeln. Unter dem folgenden Link sind alle Infos:
    www.aktionstag-nachhaltigkeit.de/startseite
    Was in Leipzig stattfindet kann man in der folgende Liste einsehen:
    www.aktionstag-nachhaltigkeit.de/projekte/liste-nach-plz